Mein persönliches Jahr 2013 – Teil 2 – Neue Wege

13. Januar 2014 at 13:36

Im ersten Teils meines Jahresrückblicks 2013 berichtete ich von der ersten Jahreshälfte. Es ging um den radikalen Befreiungsschlag heraus aus langer Krankheit, einem nicht mehr passenden Job und einem viel zu kleinen Leben mit vielen eigenen Ängsten. Nach Neuordnung meiner Werte und Ziele im Leben schlug ich eine neue Richtung ein. Der nächste große Schritt: die Erkundung der Welt in Form einer Reise alleine durch Asien ohne Termine, ohne Route, ohne Zwänge.

Urlaubsreif

Zwischen der Buchung der Reise nach Asien (Juli) und dem Tag des Aufbruchs (Oktober) lagen noch gut drei Monate. Da ich während meiner anderthalb Jahre andauernden Arbeitsunfähigkeit kaum Möglichkeiten für Urlaub hatte, lechzte meine Seele nach Sonne, Strand, Meer, anderen Kulturen, kulinarischen Genüssen und einer Prise Abenteuer. Mit dem Austritt aus der Firma und dem Ende meiner Krankschreibung stand mir die Welt wieder offen und so beschloss ich, es mir nach zwei Jahren ausgemachter Scheißzeit mal richtig gut gehen zu lassen:

  • 1 Woche Roadtrip auf Sardinien im August
  • 1 Woche Istanbul gleich hinterher, um am Bosporus einen Hauch von Orient in den Moscheen, Museen und auf den Basaren an der Grenze zweier Kontinente zu spüren
  • 4 Tage Rügen im September für das alljährliche lange Familienwochenende im grandiosen Ferienhaus in Sellin
  • 4 sonnige Tage in Turin, wo mir von einer Einheimischen die Stadt gezeigt wurde und sich meine Liebe für Italien noch mal verstärkte
  • Abschluss der „Urlaubsphase“ mit meiner Familie in Venedig im Oktober

Klar, ich habe es mit den Urlauben übertrieben und das war längst überfällig. So habe ich gespürt, dass noch Leben in meinem ehemals gebückten Körper steckt und auch, dass mir nicht jede Art des Reisens liegt oder gefällt. Jeder einzelne Urlaub bereitete mich auf individuelle Weise auf die große Reise vor.

Abschied – Und plötzlich heißt es Leben

Mit jedem Tag rückte der Zeitpunkt des Aufbruchs im Oktober näher. Auf der damals noch leeren Blogseite von Soulful Garden hatte ich einen Countdown geschaltet. Beim Blick auf die verrinnenden Tage war ich zunächst freudig aufgeregt. Die Vorfreude wandelte sich mit der Zeit immer mehr zu Beklommenheit und wurde später von Angst abgelöst. Am Anfang war alles noch weit weg und klang ganz witzig. Mit einmal sollte aus Spaß Ernst werden und ich hatte die Hosen richtig voll und konnte nichts dagegen tun. Das erste Mal spürte ich deutlich, dass ich keine Kontrolle mehr über das hatte, was kommen würde. Allein als Backpacker in Asien konnte mir alles passieren und auf mich alten Nesthocker wirkte alles bedrohlich. Ich wollte es trotzdem unbedingt versuchen und irgendwie bekam ich die Zeit dann doch rum ohne durchzudrehen (die Urlaube haben dabei gut geholfen). Am 8. Oktober setzte ich mich in den Flieger und das Abenteuer begann. Das ist jetzt schon über drei Monate her. Ich lebe noch, erfreue mich überraschend guter Gesundheit und führe ein Leben, um das mich viele nach eigener Aussage beneiden. Seither besuchte ich vier asiatische Länder:

Ausblick auf Koh Nang Yuan (Koh Tao, Thailand)

Ausblick auf Koh Nang Yuan (Koh Tao, Thailand)

Eine neue Welt unter Wasser

Schon bei den ersten Phantasien über die Asienreise war mir klar, dass ich Tauchen lernen wollte. Nicht nur vom Sternzeichen war ich schon immer ein Wassermann. Von meiner ersten Station Bangkok aus zog ich schnurstracks nach Koh Tao weiter um genau das zu tun. Auf der als Tauchfabrik bekannten Schildkröten-Insel kann jedermann einfach und günstig seine Unterwasserlizenz erwerben. Ich startete sofort mit dem Tauchschein. Gepackt vom Fieber nach den ersten Tauchgängen belegte ich in meinen vier Wochen auf der Insel einen Kurs nach dem anderen: Open Water Diver, Advanced OWD, Nitrox Specialty, Deep Specialty, Night Specialty, EFR (Lebensrettende Sofortmaßnahmen), Oxygen Provider, Rescue Diver, Wreck Specialty. Ich war richtig busy. Es war eine herrliche wenn auch teure Erfahrung, die jeden Aufwand wert war. Seitdem stellt sich mir bei jedem potenziellen Reiseziel immer folgende Frage: Das mag ja ganz nett dort sein, aber kann man da auch tauchen?

Tauchen - das Abenteuer beginnt

Peak Performance Buoyancy Kurs auf Koh Tao

Nach Koh Tao sammelte ich weitere Taucherfahrungen auf Tioman Island in Malaysia bei Fun Dives. Das nächste Mal schlüpfte ich dann erst wieder auf Pulau Weh in Indonesien in das Scuba-Equipment.

Ich bin unglaublich glücklich diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und stolz auf das, was ich innerhalb der kurzen Zeit erreicht habe. Heute habe ich meinen 100. Tauchgang erleben dürfen. Den habe ich nach vereinzelter Tradition nackt nur mit der Tauchausrüstung gemacht. Glücklicherweise hatte der sensible „Köder“ keine Raubfische angelockt.

Beziehungsweise

Der Weg hin zu einem neuen, selbstbestimmten Leben war alles andere als leicht und kostete viel Energie und Nerven. Glücklicherweise bekam ich Ermutigung und anderweitige Hilfe von meiner Umwelt. Gute Freunde und Familienmitglieder hatten oft zur richtigen Zeit einen passenden Rat oder einfach ein offenes Ohr für mich. Nachdem unsere WG aufgelöst war, nahmen mir viele Leute übriges Hab und Gut ab oder boten mir ein Bett an, um die Zeit bis zu Abreise zu überbrücken. Oft zweifelte ich an meinen Fähigkeiten und ließ mich von Angst verunsichern. Doch ich spürte, dass ich mit meinem neuen Weg das Richtige für mich tat und es war ein gutes Gefühl, dass meine Liebsten das ebenso sahen. Für all diese Unterstützung bin ich überaus dankbar. 

Doch auch ein kritischer Blick in den Spiegel sollte nicht fehlen. Gerade in Hinblick auf Freundschaft ging heiß her in 2013. Ich selbst habe mich früher gern für einen guten Freund gehalten. Doch gerade im letzten Jahr habe ich mich nicht immer sehr besonnen verhalten und es anderen schwer gemacht. Als Gewohnheitstier konnte ich bisher selten ohne Hürden mit jeder Art von Veränderung umgehen, egal ob sie „guter“ oder „schlechter“ Natur waren. Durch die Verunsicherung und Unausgeglichenheit war ich heftig am Rudern und versuchte mein verlorenes Gefühl von Kontrolle über mein Leben dadurch zurückzubekommen, dass ich Kleinigkeiten zu riesigen, zeitverschlingenden und stressenden Problemen aufgebauscht habe („Welche Spiegelreflexkamera kaufe ich für die Reise?“ oder „Was mach ich nur mit allen Versicherungen?“) oder gar lieber die einfacheren Probleme anderer lösen wollte.

Immer wieder war ich blind oder ignorant für die Belange meiner Mitmenschen. Vereinzelt benahm ich mich gegenüber mir wichtigen Personen wie ein Idiot. Ich habe Freundschaften vernachlässigt und durch ungünstiges Verhalten auch gefährdet. Nicht immer war auf mich Verlass, wo ein wirklich guter Freund gebraucht wurde. Das ging tatsächlich so weit, dass sich langjähriger Freund von mir abwandte. Viel zu spät habe ich erkannt, was ich bzw. was mich da eigentlich trieb.

Auf der anderen Seite konnte ich unerwartet den Kontakt zu ein paar alten Freundschaften wieder aufleben lassen. Ich war überrascht. Auch nach Jahren mit wenig oder null Kommunikation war da noch eine gemeinsame Verbindung. Man kannte und verstand man sich noch immer gut.

Was die Frauenwelt angeht, war 2013 nicht mein Jahr der großen Liebe. Ende 2012 war meine letzte Beziehung in der schwierigen Krankheitsphase gescheitert. Die Trennung ging (wie bei all meinen vergangenen Beziehungen) von der Partnerin aus und traf mich schwer. Doch ich verstand schon seinerzeit schnell, dass der Abschied wichtig für unser beider Entwicklung war und ließ sie gehen. So konnte ich mich dann gezielt darum bemühen, mein chaotisches Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Ich verlebte das gesamte letzte Jahr ohne den tiefen Wunsch nach einer Beziehung und war auch nicht offen für etwas Ernsthaftes. Zwischendurch machte ich immer wieder kleine Versuche und traf die ein oder andere zauberhafte Dame, nur um festzustellen, dass es einfach nicht passte. Am Ende blieb ich allein. Es gab einfach zu viele andere Baustellen.

Insgesamt konnte ich im vergangenen Jahr viel über Freundschaft und Beziehungen allgemein lernen und jede Erfahrung hat mich reicher gemacht. Das neue Jahr hält hier wahrscheinlich sogar noch mehr Überraschungen bereit.

2014 – Und es geht weiter

Ein neues Jahr liegt nun vor mir. Für 2014 existieren keine ausgereiften Pläne. Auf gute Vorsätze kann ich gut verzichten. Stattdessen versuche ich mich weiterhin im Leben fallen zu lassen und alles voll und ganz zu erleben, was mir widerfährt. Ich bin zuversichtlich, dass sich die für mich richtigen Dinge schon ergeben.

Gerade befinde ich mich auf Pulau Weh in Indonesien. Hier werde ich wahrscheinlich noch mindestens zwei Monate bleiben. In dieser Zeit steht das Tauchen für mich weiterhin im Vordergrund und ein tatsächliches Ziel für 2014 ist, dass ich meine Zertifizierung zum PADI Dive Master schaffe. Danach könnte ich mir vorstellen, für eine Weile ein wenig Geld aus Dive Guide zu verdienen oder relativ zeitnah die Ausbildung zum Instructor anzuschließen. Damit könnte ich mir dann ein neues Standbein aufbauen, an tollen Orten leben und arbeiten und anderen Menschen dabei helfen, das Tauchen für sich zu entdecken oder ihre Fähigkeiten auszubauen. Momentan klingt das für mich nach einem noblen, motivierenden Ziel. Schauen wir mal wie es weitergeht

Und wann komme ich zurück nach Deutschland? Das weiß ich ehrlich noch nicht. Im Moment denke ich schon, dass ich die meiste Zeit in 2014 im Ausland verbringen werde und darauf freue ich mich. Deutschland selbst vermisse ich wenig. Ich kann gut auf Schwarzbrot und echten Käse verzichten, sogar auf ein schönes Wiener Schnitzel. Ich brauche weder die Berliner Großstadthektik, noch das Hochgeschwindigkeitsinternet oder Amazon Prime. Selbst auf meine kleine, liebevoll eingerichtete Höhle namens „zu Hause“ kann ich gut verzichten als Preis für diese unglaublich bereichernden Wochen und Monate hier in Asien. Wer hätte gedacht, wie schnell sich die Prioritäten verschieben können. Höchstens meine Familie und Freunde hätte ich gern um mich und da kommen manchmal schon Augenblicke des Vermissens. Aber ich weiß ja, dass ich Euch alle wiedersehen werden… nur eben nicht so schnell